bereits auf den ersten Blick werden Sie feststellen, dass dieser Newsletter anders ist... Das liegt daran, dass wir das Thema "Marktsituation" zum zentralen Thema dieses Newsletters gemacht haben und Thomas Lünendonk gewinnen konnten, den Keybeitrag zu schreiben.
Thomas Lünendonk ist gelernter Journalist, Marktanalyst und Unternehmensberater. Seit Anfang der 90er Jahre ist Lünendonk als Berater für Unternehmen im europäischen Raum tätig. Im Laufe der Jahre hat er Vorstände und Geschäftsführer in großen und mittelständischen IT-, Beratungs-, Dienstleistungs- und Finanzunternehmen persönlich beraten und trainiert.
Zudem ist er Gründer und Gesellschafter der Lünendonk GmbH, Gesellschaft für Information und Kommunikation mit Sitz in Kaufbeuren. Seit 1983 ist er Herausgeber von Markt-Rankings- und -Studien, den so genannten Lünendonk®-Listen. Diese gelten sowohl in Deutschland als auch in den Nachbarländern als Standard und Marktbarometer. Mit dem Konzept "Kompetenz3" bietet das Unternehmen Marktforschung, Marktanalysen und Marktberatung in der Informationstechnik-, Beratungs- und Dienstleistungsbranche aus einer Hand an. Seit 2003 ist die Lünendonk GmbH auch von Frankreich und Großbritannien aus erfolgreich aktiv.
Aber auch Partner und die Geschäftsführer der its-people Gesellschaften kommen zu Wort auf die Frage: "In welcher Situation befinden wir uns derzeit, wohin tendiert der Markt im zweiten Halbjahr und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf das Freiberufler-Geschäft?"
Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen, einen schönen ausklingenden Sommer und …
immer die richtigen Menschen in Ihren Projekten!
Viele Grüße
Beatrice Wächter
Marketingleiterin
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Kurzstrecke: sehr holprig - Langstrecke: aussichtsreich
Der Markt für IT-Dienstleistungen hat Zukunft
Derzeit übertreffen sich Analysten und Medien mit nahezu täglich wechselnden Prognosen zur Gesamtwirtschaft und ausgewählten Marktsektoren. Und es sei hier auch kein wohlfeiler Tadel ausgesprochen, denn die Indikatoren weisen hohe Variabilität und Volatilität auf. So fällt es nicht leicht, mittelfristig tragfähige Roadmaps zu skizzieren. Andererseits brauchen Unternehmen und Menschen gerade in bewegten Zeiten Hinweise, wie Status quo und Perspektiven sich darstellen. Und außerdem gibt es einige fundamentale Daten und Entwicklungen, die sich auch durch eine Finanz- und Wirtschaftskrise nicht außer Kraft setzen lassen. Mit diesem Vorwort sei der folgende Versuch gestattet, dem Markt für IT-Services Informationen zu geben, die über den Tag hinausreichen.
Der Start in die Zukunft beginnt zunächst mit einem Blick in den Rückspiegel. 2008 war für IT-Service- und IT-Beratungsunternehmen sowie die vielen in diesem Markt aktiven Freiberufler - mehr als 72.000 - ein überwiegend gutes Jahr. Daran hat das letzte Quartal 2008, wo der Wind schon rauer blies, nichts Wesentliches geändert. Einige Zahlen hierzu: Die Anbieter für Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung freiberuflicher IT-Experten setzten 2008 ihr Wachstum eindrucksvoll fort. Allein die Top 10 dieses Marktes steigerten ihren Inlandsumsatz um durchschnittlich 36,8 Prozent. Auch die großen IT-Service- und IT-Beratungsunternehmen legten 2008 noch deutlich - teilweise prozentual zweistellig - zu.
Diese sonnigen Tage sind nun erst einmal vorbei. Für das laufende Jahr rechnen die von Lünendonk befragten IT-Dienstleister mit nur leicht steigendem oder stagnierendem Marktwachstum, einige prognostizieren sogar ein deutliches Minus. Für ihren eigenen Umsatz sind die Unternehmen für 2009 auch nicht viel optimistischer - auch hier wird eher mit Stagnation oder Minus als mit Wachstum gerechnet, auch wenn sich einige vom Thema Outsourcing in harten Zeiten einen deutlichen Umsatzimpuls erhoffen. Das Tagesgeschäft hat jedoch derzeit überwiegend Magerkost im Angebot. Die Kundenunternehmen machen nur das Nötigste; Standardlösungen ohne große Anpassungen sind Trumpf. Bei den Projekten lautet die Diät: Keine oder nur kleine Projekte, kurze Projekte, niedrigere Stunden- und Tagessätze - und als Krönung dann noch lange Zahlungsziele.
Doch es ist ein Ende dieses Zustands absehbar. Das meinen auch die IT-Service-Anbieter. Ihrer düsteren Einschätzung für 2009 in den aktuellen Lünendonk-Studien setzen sie deutlich hellere Perspektiven für die Jahre 2010 bis 2020 entgegen. Hier wird mit einer Normalisierung der Situation und Umsatzsteigerungen von um die 5 Prozent pro Jahr gerechnet. Nicht ohne Grund: Die aktuelle Mangelsituation in den Unternehmen wird einen Investitions- und Optimierungsstau nach sich ziehen, der im Laufe der nächsten Jahre aufgelöst werden muss.
Hinzu kommt, dass die Kundenunternehmen aktuell eigene Experten entlassen, auf deren Support sie dauerhaft nicht werden verzichten können. Ob sie diese Mitarbeiter aber wieder zurückbekommen, ist mehr als fraglich. So wird in Zukunft nicht nur zur Erschließung neuer Themen, sondern auch zur schlichten Absicherung des täglichen Betriebs der Zugriff auf qualifizierte externe Ressourcen erfolgen müssen. Dabei wird nicht immer nur die "große" Outsourcing-Lösung zum Tragen kommen, sondern auch der flexible, schnelle Zugriff auf externes Know-how bei Freiberuflern und kleinen Teams.
Worauf sich qualifizierte IT-Freiberufler aber verlassen können und Kundenunternehmen unabwendbar einstellen müssen, ist die demografische Entwicklung in Europa und Deutschland. Zwar sind derzeit häufig mehr Bewerber als Stellen da - Ausnahme: ausgewählte Fachleute, deren ganz spezielle Expertise gerade gefragt ist -, aber dieser Zustand wird sich bereits in den nächsten zwei Jahren dramatisch ändern. Dann stehen für die neuen Herausforderungen der Unternehmen in Sachen Informations- und Kommunikationstechnik nicht mehr ausreichend eigene Kräfte zur Verfügung. Die neuen Geschäftsmodelle des Web 2.0 und folgender Entwicklungen lassen sich jedoch nur mit Expertenwissen und Expertenhandeln erschließen, das auch lokal verfügbar ist - Globalisierung und Industrialisierung der Dienstleistung hin oder her.
Deswegen sei hier die Prognose gewagt, dass die IT-Dienstleister und die IT-Freiberufler spätestens ab 2011 wieder deutlich nachgefragt sein werden. Sie werden die fehlenden Kompetenzen und Ressourcen in den Unternehmen ersetzen müssen, die diese nicht oder nicht mehr haben. Und sie werden das neue Wissen einbringen, das sie sich - hoffentlich! - in den Zeiten etwas schwächerer Auslastung angeeignet haben. Wer Zeiten der Flaute nicht zum gemeinsamen Lernen oder Selbstlernen nutzt, der verpasst wichtige Zukunftschancen. Ob Seminare, E-Learning oder schlichtes Lesen - jetzt ist die Stunde des Inputs!
Die so gewonnenen Erkenntnisse werden mittel- und langfristig sehr gefragt sein. Denn eines ist klar: Nach den Erfahrungen dieser Krise werden Kundenunternehmen nie mehr so große eigene Kapazitäten aufbauen wie zuvor. Sie wollen und werden flexibler, agiler und schlanker agieren. Das geht aber nicht ohne externe Dienstleister, die sich als hochwertige "Partner on demand" positionieren. Insofern kann das Fazit gezogen werden, dass sich die Marktsituation für IT-Dienstleister und IT-Freiberufler kurzfristig sehr holprig darstellt. Aber mittel- und langfristig werden sie nicht nur wieder wichtig und gefragt, sondern noch wichtiger und gefragter als früher sein. Wenn das kein Grund zur Freude und zum Durchhalten ist!
(Autor: Thomas Lünendonk)
Für den Geschäftsführer der its-people Hochtaunus GmbH, Thomas Kraemer, stellt sich die Situation im Augenblick folgendermaßen dar: "In einzelnen Branchen wurden in den letzten Monaten IT-Investitionen verschoben oder gestrichen. Dies vorausgeschickt ist die Nachfrage nach IT-Experten(!) unverändert. Speziell in Themen wie "Business Intelligence & Datawarehousing" sowie SOA investieren Unternehmen. Bei "Commodity-Dienstleistungen", d.h. bei Themen, bei welchen die Dienstleister austauschbar sind, gibt es zwei Trends: Insourcing, d.h. der Abbau von "IT-Leiharbeitern" oder ein starker Druck auf die Einkaufspreise mit, in der Konsequenz oftmals sinkenden Tagessätzen für diese IT-Dienstleistungen. Mit letzterem einher geht auch häufig eine Lieferantenkonsolidierung und eine Verlagerung von Entscheidungskompetenz zu "Kaufleuten" (Einkauf, Finanzen). Im zweiten Halbjahr werden diese Trends anhalten, aber die Investitionsbereitschaft der Unternehmen wird spürbar zunehmen."
Thomas Algermissen, Geschäftsführer enterpriser GmbH & Co. KG auf die Frage nach seiner Einschätzung zur derzeitigen Marktsituation und dem Fortgang im zweiten Halbjahr:
"Im Moment überlagert sich der IT-Fachkräftemangel und eine reduzierte Nachfrage am Markt. Die Nachfragesituation wird geprägt durch Insourcingbestrebungen und Revisionen der Projektbudgets. Projekte mit Kostenreduktionseffekt und mit einem kurzen Return-on-Investment werden aus meiner Sicht weiterhin hoch priorisiert, reine Technologiewechsel eher niedrig. Die Verbindung von Geschäftsprozessknowhow und technischer Expertise rückt damit mehr in den Vordergrund und ist Bestandteil der weiteren Ressourcennachfrage. Daraus ergibt sich für IT-Experten der Bedarf nach "Schärfung" des eigenen Profils und eine entsprechende Positionierung im Markt."
Harald Sellmann, Geschäftsführer its-people Frankfurt GmbH:
"Die Auswirkungen der Krise sind bei its-people umsatzseitig zu spüren, erfreulicherweise jedoch bisher weniger bei der Auslastung der Professionals. Mit Vorliegen der Halbjahreszahlen wurden und werden bei vielen Auftraggebern erneute Budgetrunden gedreht - mit den üblichen Folgen von Kürzungen und auch Streichungen von Projektbudgets. Da Liquiditätssicherung sehr viel deutlicher im Vordergrund steht als in früheren Phasen schwacher Konjunktur, sind Freiberufler ebenso deutlicher betroffen.Um die angestrebten Projektergebnisse dennoch näherungsweise zu erreichen, werden drastische Forderungen nach Reduzierung der Honorare gestellt. Das durchschnittlliche Honorarniveau sinkt, aber viele Freiberufler haben dies noch nicht realisiert."
Der Geschäftsführer der its-people Köln GmbH, Bernd Schrader, sieht die Markttendenz folgendermaßen:
"Die gegenwärtige Lage in unserem Marktsegment ist gekennzeichnet durch einen deutlichen Angebotsüberhang; nachdem im letzten Jahr noch sehr große Nachfrage nach externen Beratern feststellbar war, wird heute in vielen Firmen, vor allem in der produzierenden Wirtschaft, der Einsatz externer Professionals so weit wie möglich reduziert. Diese Situation wird sich auch im zweiten Halbjahr nicht entscheidend verändern, vielmehr steigt die Nachfrage eher langsam wieder an. Für das Freiberufler-Geschäft bedeutet dies weiterhin, dass die Qualität des Angebots durch für den Kunden attraktive Preise unterstützt werden muss."
Und Birgit Kraemer, Managerin Human Resources der enterpriser GmbH & Co KG, ergänzt: "Bewerber beklagen häufig, dass es zur Zeit zunehmend schwierig ist, an Projekte zu kommen und dass längerfristige Projekte erst einmal "auf Eis gelegt" werden."
Maike Feddersen, Blog Redakteurin der projektwerk Unternehmensberatung GmbH, sieht folgende Aspekte: "Das erste Halbjahr 2009 war auch für Freiberufler geprägt von der Wirtschaftskrise. projektwerk verzeichnete im Mai einen Tiefpunkt bei der Zahl der Projekte, seitdem geht es jedoch wieder deutlich aufwärts. Bereits im Juni und Juli verzeichneten wir einen stetigen Aufschwung, dessen Fortsetzung auch von einer langen Reihe Konjunktur-Indikatoren wie dem Konsumklima-Index und Zahlen des Ifo-Instituts bestätigt wird. Es scheint also so, als wäre es nicht zu optimistisch, im zweiten Halbjahr mit ersten Zeichen einer Entspannung und eines generellen Aufschwungs zu rechnen. Für Freiberufler, die die Krise oft zuerst gespürt haben, da Unternehmen in Krisenzeiten besonders an externen Ressourcen sparen, bedeutet dies ebenfalls eine Erholung, offensichtlich sind sie auch hier - aufgrund ihrer Flexibilität - der Entwicklung einen Schritt voraus."
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