Die Top-Ten der methodischen Fehler im Software-Testing: Platz 4 – Kein oder falscher Einsatz der Testautomatisierung

von Torsten Zimmermann (Kommentare: 0)

Dieser Punkt ist wohl eine Wissensdisziplin innerhalb des Testens mit der größten Bandbreite an Vorstellungen und Erwartungen, welche von „nicht sinnvoll einsetzbar“ bis „löst alle unsere Probleme“ reichen. Auf dieser Basis kann das Werkzeug wohl kaum den Anforderungen und Erwartungen gerecht werden.

Wie so oft liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte: Automatisiertes Testen ist auf vielen Ebenen eine sinnvolle Ergänzung zu manuellen Tests. In manchen Bereichen unumgänglich, wenn man sich beispielsweise Unittests oder Schnittstellentests vorstellt. Andere Felder erschließen sich nicht für die Testautomation wie der Usability-Test zeigt. Bei dieser Darstellung zeigt sich schon, dass wohl viel Tool-Erfahrung für eine professionelle Einführung und den erfolgreichen Betrieb von Testautomationswerkzeugen notwendig ist.

Es wird auch kein „Mega-Testtool“ geben, welches alle Teststufen und -disziplinen gleichermaßen bedienen kann. Es bedarf also einer Testtool-Landschaft – gar auf Basis einer Tool-Plattform – um mittels Testautomation und manuellen Tests zu einer kompletten Aussage in Bezug auf alle Qualitätsmerkmale (-> ISO 9126) zu gelangen. Dass hierbei Performance- und Lasttests fast immer vergessen werden, erwähnte ich bereits.

Das Code-Quality-Management ist ein anderer Bereich der Testautomation, welcher heute innerhalb qualitätssichernder Prozesse nur in absoluten Ausnahmen bei Software-Unternehmen anzutreffen ist. Im Prinzip wird die ganze Codebasis automatisiert nach bestimmten Patterns abgesucht, welche Risikopotenziale bezüglich aktueller oder zukünftiger Fehlerquellen repräsentieren.

Vereinfacht kann man sagen, dass mit diesen Informationen mögliche Fehlerquellen (d. h. Fehlerpotenziale) vor ihrer tatsächlichen Existenz bereinigt werden können. Gerade hierbei lassen sich deutliche Kosteneinsparungspotenziale realisieren. Bei erfolgreicher Einführung entsprechender Tools, der notwendigen Engineering-Konzepte und seriöser Auswertung der Report-Ergebnisse inklusive Umsetzung daraus abzuleitender Handlungsempfehlungen lassen sich Entwicklungsbudgets mit Support und Pflegekosten um bis zu 20 % reduzieren, ohne die Entwicklungsziele zu verändern.

Im Vergleich zu den automatisierten Testprozessen über die Benutzeroberflächen der Anwendungen (oft auch als GUI-Testautomation bezeichnet) lassen sich automatisierte Tests auf der Codebasis bereits in ersten Entwicklungsphasen sinnvoll einsetzen. Bei Integration der Testautomation im Allgemeinen (wie des Code-Quality-Management-Ansatzes im Speziellen) lassen sich Qualitätsaussagen über das reifende Produkt wie auch über die aktuellen Entwicklungsprozesse selbst früher, umfassender und präziser bestimmen.

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